Die Grüne Kirche

Die Beter segne Gott in jenen Wänden!
Doch sind die Tempel all’ von Menschenhänden
Nicht jenem heil’gen Hain erst nachgebaut?
Erst nachgebaut mit Grott’ und Palmensäulen?
Und nicht in Vaters Urhaus sot’ ich weilen,
Wo tiefer ihm mein Geist in’s Antlitz schaut?

Dort oben winkt er mir im grünen Dome,
Dort säuselt er vorbei im Nadelstrome,
Und seiner Heerden Glocken läuten aus!
Und alle Stämme dieser Riesenföhren,
Sie steh’n im Felsenchor wie Orgelröhren,
und zu den Wipfeln fliegen Tön’ heraus!

Und von den Zinnen schallt ein heilig Rufen,
Mit Psalmen steigt’s hinan des Tempels Stufen,
Und selbst der Teich bewegt den feucthen Grund:
Nicht Vöglein sind’s allein, die ihm lobsingen,
Auch von Unmünd’gen läßt er Dank sich bringen,
Und Fischlein tauchen auf mit stummen Mund!

Ja, selbst der Blätter Millionen regen
Wie Zungen sich, als ob sie von ih spräcen,
Und Weihrauch schwankt der Blumen Glockenschooß,
Die Ähre hebt die Finger zu Gebeten,
Des Felsens Wange seh’ ich hoch eröthen,
Als ränge sich in ihm das Leben los!

Und sieh! der Vorhang rollt im Morgenthore
Empor; es tritt der Herr, vom Sängerchore
Begrüßt, zum flammenden Gebirgs-Altar!
Er schlägt sein Kreuz mit Blitzen uns entgegen,
Mit Donnerstimmen spricht er seinen Segen:
“Ich bin euch gnädig, wie ich’s immer war!”

Und abendlich versinkt das Bild vom Sohne,
Und sinkt so bleich mit seiner Tannenkrone,
und sinkt so still hinab in rothem Blut!
Befohlen ist sein Licht in Vaterhände!
O wohl, wer sprechen kann bei seinem Ende:
“Es ist vollbracht und Alles, Alles gut!”

Doch eine Welt steigt aus so blut’gem Strahle,
Die Kerzen brennen schon am Abendmahle,
Des Himmels Tafel oben ist gedeckt!
O, liebes Wort, das auch da draußen tönet!
Blut’ ich ihm nach, bin ich mit Gott versöhnet,
Wenn seine Gnade einst mich auferweckt!

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