Die Personen um Thieme

Auf dieser Seite finden Sie einige bedeutende Personen aus Thiemes Umfeld und einen kurzen Abriss ihrer Lebensdaten.
Johannes Falk Falk, Johannes Daniel

Schriftsteller und Philantrop

* Danzig 28.10.1768
Weimar 14.2.1826

 Wichtig,
wenn auch oft unzuverlässig, sind seine postum erschienenen Goethe-Erinnerungen; sein Lied  "O du fröhliche" wird noch gesungen.

Goehte Goethe, Johann Wolfgang von

Dichter
* 28. 8. 1749 Frankfurt am Main,
† 22. 3. 1832 in Weimar.
Herder Herder, Johann Gottfried von

Theologe, Schriftsteller und Philosoph

*  Mohrungen (Ostpreußen) als Sohn eines Kantors 25.8.1744, 
  Weimar 18.12.1803

Jahn Jahn, Friedrich Ludwig 

* 11. August 1778 in Lanz;
† 15. Oktober 1852 in Freyburg (Unstrut))

Organisator des dteutschen Turnwesens (»Turnvater Jahn«);
legte 1811 in der Hasenheide in Berlin den ersten Turnplatz an;
Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung 1848.
Pädagoge/Politiker
Klinger Klinger, Friedrich Maximiliam von

Dichter,
*
Frankfurt a. M. 17.2.1752
 Dorpat 9.3.1831

enstammte ärmlichsten Verhältnissen, K. war früh ein Bewunderer des jungen Goethe, der seinerseits das Talent und den Charakter K.s schätzte und ihm zeitweilig das Studium ermöglichte. Er schrieb das Drama „Sturm und Drang“, nach dem die gleichnamige Epoche benannt ist.
Kotzebue

Kotzebue, August Friedrich Ferdinand von, 

Schriftsteller, 

* Weimar 3.5.1761, 
† Mannheim 23.3.1819,

wurde 1780 Advokat in Weimar, ging aber bereits 1781 nach Weimar, wo er hohe Stellungen, Adel und Reichtum gewann. (Sein Sohn Otto umsegelte gemeinsam mit à Krusenstern die Welt)

Krusenstern

Krusenstern, Adam Johann von

Admiral in russ. Dienst 

*    Haggud (Estland) 19.11.1770,
†   Aß (bei Reval) 24.8.1846, 

führte die erste russ. Erdumseglung durch, bei der die Westküste von Hokkaido, die Ostküste von Kamtschatka und Sachalin, die Kurilen und Alëuten erforscht wurden. Nach ihm ist die Krusensternstraße zwischen Japan und Korea benannt.

Oken

Oken, Lorenz, eigentlich OKENFUß 

*  01. 08. 1779 in Bohlsbach bei Offenburg,
† 11. 08. 1851 in Zürich, bedeutender Naturforscher, Publizist und Lehrer. Teilnehmer am Wartburgfest, Gründungsrektor der Universität Zürich, Doktorvater des Dichters Georg Büchner.

Storch, Heinrich Friedrich von, 

* 1766 Riga,
† 1835 St. Petersburg, 

Russischer Ökonom dt. Herkunft. He was a member of the Russian Council of State who supervised the education of the future Czar Nicholas I and the Grand Duke Michael. He taught the cadet corps in St Petersburg. He was a member of the St. Petersburg and Munich Academies and several other learned associations. He also authorized the admission of Jean-Baptiste Say, who became his friend, to the Imperial Academy in St. Petersburg.
voigt

Voigt, Johann Carl Wilhelm,

Mineraloge und Geognost, 

* 20. Febr. 1752 zu Allstedt,
† 01.1821, b Ilmenau.

Studierte seit 1773 in Iena die Rechte, dann in Freiberg seit 1776 Mineralogie, beschäftigte sich viel mit der Erforschung der Bildung des Basalts und der vulkanischen Produkte, bereiste in mineralogischem Interesse das Herzogtum Weimar und das Hochstift Fulda, begleitete den Herzog von Weimar auf seinen Reisen als Naturforscher, ward 1785 Bergsekretär und 1789 Bergrat in Ilmenau. Freund Goethes, bemühte sich gemeinsam mit Goethe um die Wiedereröffnung des Ilmenauer Kupfer-schieferbergbaus.

Er schrieb: "Mineralogische Reisen" (Weimar 1781-85, 2 Bde.); "Mineralogische Beschreib-ung des Hochstifts Fulda" (Dessau 1783); "Handbuch der praktischen Gebirgskunde" (Weimar 1792)
Wolzogen,  Karl August Alfred,

Freiherr von, Schriftsteller,

* Frankfurt a. M. 27.5.1823,
 13.1.1883,

wurde 1867 Hoftheaterintendant in Schwerin.

Aber lassen wir doch Thieme selbst zu Wort kommen über die Idole seiner Zeit:

 

Weihe

[Veröffentlicht in:
Wega. poetisches Taschenbuch für den Norden. Mitau, 1809]


Brach ich sie durch, die lang erstickten Gluten?
Bin ich, auch ich, des Liedes edler Sohn?
Sprach ich im Kampfe nicht mit eis'gen Fluthen
Dem grausen Nord, dem Blütentödter, Hohn?
Still sich der Gram, und stock des Pulses Bluten;
Siehst du dein Werk erwacht, Pygmalion?
Und wird das Westland einst mit Lorbeerkronen
So lange Treu', so lange liebe, lohnen? 

So sprach ich zu der edlen Reih' der Büsten,
Die rings von meiner Wand hernieder schaut,
hier zu Aurora über Klippenwüsten
Hinaus sieht wie zu ihrer ew’gen Braut,
Dort in die Abendgluth von Deutschlands Küsten,
Wo ihr erhabner Geist sich Tempel baut;
Und alle schienen mir mit Feuerblicken
Begeisterung ins trunkne Aug' zu nicken.
 

Sieh Wieland da, des festen Land's Sirene,
Der lächelnd stets die Zauberpeitsche schwang;
Zuerst berauscht von Gräziens Hippokrene[1]
Mit Irisglanz den Norparnaß[2] umschlang;
Uns thränen ließ in Scherasminens[3] Thräne,
Und jetzt mit Ob’rons Horn zum Tanze zwang;
Die Welt erobernd in dem Vorjahrhundert,
Im neu’n ein ew’ger Jüngling noch bewundert.
 

Hier  Klopstock, der die hohen Feierlieder
Auf Sinai dem Herrn der Welt geweiht.
Der Himmel steigt dem großen Harfner nieder,
Und unser Geist hinan zur Ewigkeit.
Teutonias Eiche rauscht’s im Sturme wieder:
„Unsterblichkeit sang er, Unsterblichkeit“ –
„Und unser Vaterland!“ – ruft hingesunken
Der Jüngling, heiliger Begeist’rung trunken.
 

Der heil’ge Herder, der, nie zu ermüden
Weit durch des Wissens Labyrinthe fleugt;
Deß Wort ein Evangelium war den Hermaniden;
Der nimmer ruht, bis er den Kern erreicht;
Der viel verdorrte Zweige pflegt’, und Blüten;
Selbst mit Terpsichor den Balde[4] säugt;
Den auch geborgen einst des Nordens Küsten,
Bevor Binaria sog an seinen Brüsten. 
 

Und Göthe, mit der grünen Lorbeerkrone;
Der Schwan; das Kind der Schönheit und der Kraft;
Der Kunst Prometheus, der mit jedem Tone,
Mit jedem Pinselstriche Welten schafft;
Ein Aar[5], jetzt Flammen reißt vom Sonnensthrone,
Und jetzt die Flammen kühl zusammenrafft;
In allen formen einet Kraft und Milde,
Vollendung gebend jedem Götterbilde. 

 

Und Schiller, hoch aus seinen Wolkensitzen,
Mit einem Herzen, reich wie Plutus Schacht[6],
Tritt majestätisch mit Gedankenblitzen
Und kolossalisch aus der alten Nacht.
Er schleichet nie im Thal; auf Felsenspitzen
Tritt er einher mit des Kothurnus[7] Pracht,
Und rings entbrennen seinem Spiel die Städte,
Denn glüh'nder Lavastrom ist seine Rede. 
 

Der biedre Voß[8], von dessen Silberwage
Es Hella, Hella, durch Germanien klingt;
Der bei der Füsse gleichem Wechselschlage
Streng um den Strophentanz den Zügel schlingt,
Und aus der Sprache Grüften hoch zu Tage
Uns unermeßlich reiche Schätze bringt. -
O, viele nennen sich die Eingeweihten,
Doch er nur ist der Fürst der deutschen Saiten!
 

Hölty[9] der kindliche! Es schimmern seine Saiten
Noch florumwunden hinterm Dorfaltar.
Ihm klang des Lebens Harmonie in Glockenläuten,
Im Laut des Säuglings, den die Bäuerin gebar.
Er folgt' den Jünglingen, den jungen Bräuten,
Und flocht die Todtenblumen in ihr Haar.
Ruh', flißer (?) Sänger! wohl in deinem Blumengrabe,
Mit deinem Strauß, mit deinem Schäferstabe!

 

Und Kosegarten[10], Dithyrambensausen[11]
Und düstern Sterngemälden hold,
Der in des Nachtgewitters schwülen Pausen
Sein Auge wild durch Wasserwüsten rollt;
Dem der Abysse Schaum, der Brandung Brausen,
Melodisch hocherhabne Psalmen grollt;
Der uns in Ruhe lullet, wenn er flötet,
Mit Graun betäubt, wenn er im Sturm drommetet.

 

Auch sah ich Matthison[12]. Im Stromgetose
Wallt er, mit offnem Haar und offnem Sinn,
Durch Klostertrümmer tief im Gräbermoose,
Und mit der Gems' in Gletscherspiegeln hin;
Pflückt jetzt die Enzian' und Alpenrose,
Lauscht dort dem Lied der Traubenleserin,
Und sehnt sich rührend aus dem Weltgewühle
Zum Veilchenthale seiner Knabenspiele.

 

Und als ich rief: "an wen die Seele hangen?
Wer ist's, der sich das höchste Ziel erkohr?
Wer sättigt ganz mein glühendes Verlangen,
Und reißt mir auf des ew'gen Nachruhms Thor?" -
Da glühten hoch im Ostroth Aller Wangen,
Und heilig säuselte der Lippen Chor.
So klang es rings, und hoher Andacht Flammen
Auf meinem Scheitel züngelten zusammen:
 

"Ein stiller Geist, des Lebens höchstes Leben,
Gesäugt von der Unsterblichkeit Gefühl,
Vereint uns All' in Einem heil'gen Streben,
Und "Menschenherz" heißt unser großes Ziel.
Wenn seine Welten deiner Lipp' entbeben,
Vereinst du alle uns in deinem Spiel!
Hast du's mit deiner Zeit emporgesungen,
So tönst du ewig auf des Volkes Zungen!"-



[1] Griechenlands Hippokrene, die zum Dichten begeisternde, dem Apollon und den Musen heilige Quelle am Nordabhang des Helikon

[2] In der griechischen Mythologie ist der Berg Apollon geheiligt und die Heimat der Musen, der Göttinnen der Dichtkunst. Deswegen gilt "Parnass" in übertragener Bedeutung als Sinnbild und Inbegriff der Lyrik.

[3] Scherasmin; Figur aus Wielands romantischem Epos „Oberon“

[4] in neuerer Zeit wurde hauptsächlich durch Herder’s „Terpsichore“ (1796) das Andenken Jakob Balde’s
(1604-1668) wiedererweckt

[5] Poetische Bezeichnung für „Adler“

[6] Shakespeare-Zitat?

[7] Im übertragenen Sinne wird der Begriff Kothurn auch für die Tragödie an sich verwendet

[8] Johann Heinrich Voß, 1751-1826, Dichter und Übersetzer der griechischen Klassiker

[9] Ludwig Christoph Heinrich Hölty, 1748-1776 , war ein volkstümlicher Dichter im Umfeld des Hainbunds.

[10] Gotthard Ludwig Kosegarten 1758-1818 auch: Ludwig Theob[o]ul war langjähriger und berühmtester Pastor der Kirche zu Altenkirchen auf Rügen und ein Schriftsteller.

[11] Der Dithyrambus (griechisch: διθύραμβος, Dithyrambos) war eine Gattung der antiken griechischen Chorlyrik, ein Hymnos zu Ehren des Gottes Dionysos, vorgetragen im Rahmen der Dionysien im Wechselgesang zwischen Chor und Vorsinger. Von diesen leidenschaftlich erregten, stürmischen Lobliedern auf Dionysos leitet sich die übertragene Bedeutung des Wortes "dithyrambisch" im Sinne von „schwärmerisch, wild begeistert“ ab.

[12] Friedrich von Matthisson 1761-1831, war ein deutscher Lyriker und Prosaschriftsteller.